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22. December 2025
Künstliche Intelligenz, neue Vertriebskanäle, automatisierte Workflows und tiefgreifende technische Veränderungen: Die Shopify Editions Winter 2026 stehen ganz im Zeichen "Commerce Renaissance“. Shopify positioniert sich damit nicht länger nur als Shop-System, sondern als Plattform, die aktiv mitdenkt, Entscheidungen vorbereitet – und zunehmend selbst verkauft.
Die größten Updates: KI übernimmt nicht mehr nur unterstützende Aufgaben, sondern wird Teil des Verkaufskanals selbst. Produkte werden direkt über Chats verkauft, Tests und Rollouts werden nativ integriert, operative Aufgaben automatisiert.
Wir haben uns die über 150 Updates im Detail angesehen und eingeordnet, was davon wirklich relevant ist – und wo man genauer hinschauen sollte.
Agentic Storefronts & AI-Commerce
Mit den Winter Editions rückt Shopify ein Thema ins Zentrum, das den klassischen E-Commerce grundlegend infrage stellt: Agentic Commerce. Gemeint ist ein Modell, bei dem KI-Systeme nicht nur beraten, sondern aktiv Produkte empfehlen, vergleichen und Kaufentscheidungen auslösen.
Produkte werden direkt über Konversationen in Systemen wie ChatGPT, Copilot oder Perplexity entdeckt und gekauft. Der Kauf findet nicht mehr auf deiner Storefront statt, sondern innerhalb der KI-Interaktion selbst.
Das bringt Reichweite. Aber es kostet Kontrolle.
Denn der entscheidende Hebel verschiebt sich weg von klassischen Touchpoints wie SEO, Landingpages oder Navigation – hin zu deinen Produktdaten. Produktnamen, Beschreibungen, Variantenlogiken, Preise und Metadaten werden zur eigentlichen Verkaufsoberfläche. KI-Systeme greifen genau hierauf zu. Alles, was historisch gewachsen, uneinheitlich oder voller Workarounds ist, wird in diesem Kontext schnell zum Problem.
Kurz gesagt: AI-Commerce funktioniert nur dann gut, wenn deine Produktdaten sauber, konsistent und strategisch aufgebaut sind. Für alle anderen wird der Verkauf über KI-Systeme schnell unberechenbar.
Shopify Sidekick: Vom Assistenten zum operativen Tool
Die vielleicht spannendste Neuerung ist Sidekick, Shopifys KI-Assistent, der in Zukunft nicht nur reagiert, sondern proaktiv arbeitet. Statt nur Fragen zu beantworten, wird Sidekick zunehmend operativ. Er analysiert Verkaufsdaten, erkennt Muster, schlägt konkrete Maßnahmen vor und kann einfache Custom Apps, Workflows oder Reports direkt im Shopify-Admin erzeugen.
Mit Sidekick Pulse kommen erstmals personalisierte Empfehlungen auf Basis deiner Shop-Daten, KPIs und Marktbewegungen hinzu. Zum Beispiel Hinweise darauf, welche Produkte sich für Upselling eignen oder an welchen Stellen die Customer Journey aktuell hakt.
Spannend wird es dort, wo Sidekick direkt ins Tagesgeschäft eingreift. Workflows in Shopify Flow lassen sich per Chat erstellen, Reports via ShopifyQL generieren, kleinere Custom Apps ohne lange Abstimmungen bauen. Das spart Zeit – und verschiebt Verantwortlichkeiten. Es erfordert klare Prozesse und ein gutes Verständnis dafür, was automatisiert werden sollte – und was bewusst nicht.

Unser Take: Für Brands mit wenig Time to Focus kann Sidekick ein echter Multiplikator sein, wenn es um Daten-Insights, Automatisierung und operative Priorisierung geht.
Rollouts & SimGym: Testing wird endlich Teil von Shopify
Mit den neuen Rollout-Funktionen bringt Shopify etwas, das viele größere Shops bisher nur über Drittanbieter-Tools abbilden konnten: native A/B-Tests, schrittweise Releases und kontrollierte Rollouts direkt im Shopify-Admin.

Ergänzt wird das durch SimGym, eine neue App, die mithilfe von AI Agents das Kaufverhalten im Shop simuliert. Auf Basis realer Transaktionsdaten gibt sie eine Einschätzung, wie sich Änderungen auf Conversion, Warenkorbwert oder Add-to-Cart-Rate auswirken könnten.
Das reduziert Risiken – vor allem in komplexen Setups mit mehreren Märkten oder hohem Traffic. Fehler passieren nicht mehr im Live-Betrieb, sondern im Test. Für Kampagnen, größere Relaunches oder saisonale Peaks ist das ein echter Fortschritt.

Detail-Updates mit großer Wirkung im Alltag
Neben den strategischen Neuerungen bringen die Winter Editions 2026 aber auch zahlreiche kleine Updates, die im Tagesgeschäft direkt spürbar sind.
- Höheres Variantenlimit: Statt 100 sind jetzt bis zu 2.048 Varianten pro Produkt möglich. Das entlastet vor allem Fashion- und D2C-Brands mit komplexen Konfigurationen erheblich.
- Unlisted-Status: Der neue Unlisted-Status erlaubt es, Produkte aus Suche und Kollektionen auszublenden, ohne sie komplett offline zu nehmen. Ein kleines Feature, das viele bisherige Workarounds überflüssig macht.
- Automatische Rabatte: Hinzu kommen automatische Rabatte für definierte Kundensegmente, die Coupon-Logiken ersetzen und Preisstrategien klarer abbilden, sowie eine erweiterte Markt-Lokalisierung, mit der Checkout und Kundenkonten sauber auf unterschiedliche Länder zugeschnitten werden können.
Keine großen Headlines – aber genau die Art von Updates, die Prozesse vereinfachen, Struktur schaffen und operative Reibung reduzieren.
Development 2026: Weniger Scripts, mehr System
Auch für Entwickler:innen markieren die Shopify Editions Winter 2026 einen klaren Übergang. Shopify Functions ersetzen ab Juni 2026 endgültig die bisherigen Scripts. Neue APIs ermöglichen die Verarbeitung größerer Datenmengen und paralleler Prozesse. Tools wie der Dev MCP sorgen für bessere Validierung und stabileren Code.
Unser Take: Das ist ein Fundament für die nächsten Jahre. Wer heute APIs und extensible Systeme aufsetzt, profitiert langfristig.
Fazit: Die Technik ist da – jetzt entscheidet die Struktur
Die Shopify Editions Winter 2026 zeigen deutlich, wohin die Reise geht. Shopify entwickelt sich zu einer Plattform, die aktiv unterstützt, analysiert und verkauft. KI wird Teil des Verkaufskanals, Sidekick greift operativ ein, A/B-Tests und Rollouts werden nativ, und viele kleine Features räumen Alltagsprobleme ab.
Der gemeinsame Nenner all dieser Updates ist klar: Saubere Daten, durchdachte Prozesse und klare Prioritäten werden wichtiger als einzelne Tools oder Designentscheidungen.
Unser Take zum Schluss:
- KI ist kein „Nice to have“ mehr, sondern ein operativer Hebel.
- Native Testing-Tools ermöglichen bessere Entscheidungen statt Bauchgefühl.
- Neue Commerce-Touchpoints wie AI-Commerce verlangen Daten- und Metadaten-Disziplin.
Wer Shopify strategisch einsetzen will, sollte genau hier ansetzen.